Nachhaltige Freiraumsicherung und –entwicklung in Verdichtungsräumen. Beiträge und gemeinsame Strategien von Naturschutz und Landwirtschaft.

Laufzeit 2001 – 2003

 

Ausgangslage

Freiflächen haben in den Randzonen von Verdichtungsräumen vielerlei Funktionen. Sie sind:

  • wichtige Naherholungsgebiete
  • bedeutsam für Wasser- und Klimaschutz
  • Lebensraum für Pflanzen und Tiere
  • ökologische Ausgleichsflächen
  • Flächen für die landwirtschaftliche Erzeugung

 

Die Nutzungsintensität dieser Freiräume ist hoch. Außerdem unterliegen sie einem hohen Nutzungsdruck, denn:

Sie sind potenzielle Standorte für Siedlungserweiterungen, Gewerbeansiedlungen, Mülldeponien, Flugplätze, Freizeiteinrichtungen

So kommt es, dass der tägliche Flächenverbrauch von 120 ha in der Bundesrepublik vor allem in den Randzonen von Verdichtungsräumen vonstatten geht.

 

Von verschiedenen Seiten wird seit längerem vor den Folgen weiterer Flächenversiegelungen gewarnt: die Flächeninanspruchnahme müsse verringert werden. Boden- und Freiflächenschutz hat Eingang in mehrere Fachgesetze gefunden. Der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung will den Flächenverbrauch bis zum Jahr 2020 auf 30ha reduzieren. Die Flutkatastrophe hat die Diskussion darüber noch einmal verstärkt.

 

Doch bislang ist keine Trendwende in Sicht. Das Eigeninteresse von Einzelkommunen an mehr Siedlungs- und Gewerbeflächen bestimmt deren planerisches Handeln. Was diese Einzelentwicklungen für den gesamten Verdichtungsraum bedeuten, ist demgegenüber zweitrangig.

 

Obwohl Landwirtschaft und Naturschutz gleichermaßen von der Flächeninanspruchnahme betroffen sind, gibt es hier bisher kaum gemeinsame Anstrengungen zur Freiflächensicherung.

 

Ziele des Forschungsvorhabens

Dies ist der Ansatzpunkt des Forschungsvorhabens des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) „Naturschutz in Verdichtungsräumen“. Es soll Wege zu einer nachhaltigen Freiflächensicherung und -entwicklung in Verdichtungsräumen aufzeigen.

 

Das Forschungsvorhaben ist in drei Arbeitsschritte unterteilt. Auf der theoretischen Ebene, am Beispiel von zwei Städte und auf der Ebene von einzelnen Projekten, werden die unterschiedlichen Instrumente und Strategien zum Freiflächenschutz untersucht.

 

Damit sollen:

  • übertragbare Strategie-Bausteine für eine nachhaltige Freiraumsicherung entwickelt werden.
  • Verbindungen und gemeinsame Interessen zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Erholung herausgearbeitet werden.

 

Zahlreiche Untersuchungen zeigen neben den Stärken auch die Defizite der einzelnen Instrumente und Strategien zum Freiflächenschutz auf.

 

Planungs-, Naturschutz- und Bodenrecht

Das Planungs-, Naturschutz- und Bodenrecht enthält eine Reihe von Regelungsmöglichkeiten zum Boden- und Freiflächenschutz, die aber nicht konsequent angewendet werden. Auch sind Begriffe wie „schonender Umgang mit Grund und Boden“ rechtlich unpräzise.

 

Ökonomische Instrumente

Die hohe Flächeninanspruchnahme wird stark von ökonomischen Faktoren beeinflusst: Bodenpreise, Abgaben, Steuerrecht, Wohnungsbauförderung, Energiekosten, usw. Es gibt bereits zahlreiche Vorschläge für ökonomische Steuerungsinstrumente.

Wegen befürchteter Akzeptanzprobleme werden diese Instrumente von der Politik bisher aber kaum umgesetzt.

 

Informelle Planungen

Regionalpark- oder Grüngürtel-Konzepte wollen Freiflächen schützen, indem sie diese durch planerische Maßnahmen aufwerten. Das Ziel „Freiflächenschutz“ ist aber kaum überprüfbar, de es nicht quantifiziert ist.

 

Instrumentenmix

Eine kombinierte Anwendung der unterschiedlichen Instrumente und Strategien könnte deren jeweilige Schwächen ausgleichen und den Freiflächenschutz effektiver machen.

 

1. Arbeitsschritt

Bisherige Forschungsergebnisse zum Freiflächenschutz wurden ausgewertet.

  • Welche Rechtsgrundlagen und Instrumentarien gibt es, um die Flächeninanspruchnahme zu steuern?
  • Welche neuen Instrumente und Strategien sind entwickelt worden?
  • Wie werden die bestehenden angewendet, wie wirken sie?
  • Wo sind ihre Stärken, wo sind ihre Schwächen?

Die Ergebnisse sind in einem Zwischenbericht (Kassel 13.02.02) dokumentiert.

 

2. Arbeitsschritt

Ausgehend von diesen Fragen wurden die Städte Kassel und Leipzig näher untersucht.

  • Wie wird auf kommunaler Ebene versucht, das Gebot des sparsamen Umgangs mit Boden und Freiflächen umzusetzen?
  • Wie werden die Instrumentarien und Rechtsgrundlagen in der Praxis angewendet?
  • Werden unterschiedliche Instrumente und Strategien kombiniert?

 

Für die Planungsebene wurden erste Ideen für einen wirksameren Freiflächenschutz abgeleitet. Sie sind in einem Zwischenbericht (Kassel 07.02.03) dokumentiert.

In einem 3. Arbeitsschritt werden sie für den Endbericht weiter präzisiert.

 

Abgabe Endbericht September 2003