Agrarstrukturelle Entwicklungsplanung für die Stadt Fulda

Laufzeit 2003

 

Die Landwirtschaft befindet sich in einem ständigen Wandel. Gleichzeitig gibt es auf der Ebene der Stadtplanung vielfältige Ansprüche und Ziele, die eng mit der Entwicklung der Landwirtschaft verbunden sind.

 

Mit der Agrarstrukturellen Entwicklungsplanung in Fulda sollen insbesondere Grundlagen geschaffen werden:

 

  • für die Bewertung von Planungen, die Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben, aus Sicht der Landwirtschaft,
  • für die Entwicklung von Perspektiven für die Landwirtschaft und für deren Unterstützung durch die Kommune und
  • für Lösungsansätze zur Minderung bestehender Interessensgegensätze.

 

Die wesentlichen Schwerpunkte der AEP in Fulda sind:

  • die Bestandsaufnahme und Analyse des Planungsraums (Flächennutzung, Viehhaltung, Agrarstruktur, vor- und nachgelagerter Bereich, Planung und Entwicklung, Nutzungskonflikte, Erwartungen an die Stadtentwicklungsplanung u.a.m.)  sowie
  • die Bearbeitung folgender konkreter Problemfelder:

 

Flächenansprüche der Landwirtschaft

Die Flächenverluste für die Landwirtschaft durch Verkehrs-, Siedlungs- und Gewerbeerweiterungen erfordern ein Flächenmanagement, welches die Belange der Landwirtschaft berücksichtigt. Die AEP soll die grundlegenden Informationen für ein entsprechendes Flächenmanagement bereitstellen, indem die Bedürfnisse und Belange der Landwirtschaft festgestellt sowie geplante und angedachte Planungsvorhaben dargestellt und aus der Sicht der Landwirtschaft bewertet werden.

 

Landwirtschaft und Landschaftspflege/Naturschutz (einschließlich Ersatzmaßnahmen)

Viele Ziele von Naturschutz und Landschaftsplanung - wie z.B. die Anpflanzung von Hecken und Feldgehölzen, die Umwandlung von Acker in Grünland in Gewässerauen oder die Extensivierung der Ackernutzung auf Kalkstandorten - betreffen Landwirtschaftsflächen. Zudem erzeugt die Stadtentwicklung erheblichen Bedarf an naturschutzrechtlichen Kompensationsflächen. Dabei ist der im HeNatG § 6b festgelegte Grundsatz zu berücksichtigen, dass Maßnahmen, die keine zusätzliche Flächeninanspruchnahme bewirken, Vorrang haben; z.B. Ausgleichsmaßnahmen in Waldgebieten.

 

Landwirtschaft und (Nah)erholung

Das Freizeitverhalten der Bevölkerung führt – insbesondere am Stadtrand zur Kernstadt – immer wieder zu Konflikten zwischen Stadtbevölkerung und Landwirtschaft. Die AEP soll in ihrer Analyse das Konfliktpotenzial thematisch und räumlich benennen und Lösungsansätze entwickeln.

 

Landwirtschaftliches Bauen

Die Landwirtschaft in Fulda ist von der Tierhaltung abhängig, weil viele Betriebe nicht so flächenstark sind, dass reiner Ackerbau möglich wäre. Aufgrund des Wachstumsdrucks in der Landwirtschaft ist zu erwarten, dass in naher Zukunft zahlreiche Bauanträge für Stallneubauten gestellt werden, die wegen ihrer Größe nicht mehr im Dorf Platz haben und im Außenbereich errichtet werden müssen. Die AEP soll den Umfang der zu erwartenden Bautätigkeit sowie daraus möglicherweise entstehende Konflikte analysieren sowie Vorschläge für Entwicklungsstrategien erarbeiten.

 

Dorfentwicklung/Infrastruktur/Verkehrswege

Der Erhalt des dörflichen Charakters vieler Stadtteile kann nur bewahrt werden, wenn weiterhin auf möglichst vielen Höfen Landwirtschaft betrieben wird. Der Wandel in der Landwirtschaft wirft Fragen der Dorfentwicklung auf (Leerstand im Dorfkern bei gleichzeitigem Wachstum am Rand; Leitlinien für die Dorfentwicklung). Die AEP soll den aktuellen und zu erwartenden Gebäudeleerstand erfassen und Strategien für den Umgang mit Resthöfen im Rahmen der Dorfentwicklung benennen.

Landwirtschaftliche Belange kollidieren insbesondere mit der Verkehrsplanung. Die AEP soll die landwirtschaftlichen Interessen in der Verkehrsplanung erfassen und Empfehlungen für Lösungen erarbeiten.

 

Versorgung/Vermarktung

Es besteht die Gefahr, dass das Netz der Zulieferbetriebe für die Fuldaer Landwirtschaft (Maschinenhandel, Landhandel) ausdünnt. Im Bereich der abnehmenden Hand bestehen zum Teil noch vergleichsweise gute Bedingungen. Die AEP soll den Zustand von Vermarktung und Versorgung analysieren sowie Handlungsmöglichkeiten zur Stabilisierung der Betriebe benennen. Für die Direktvermarktung sind Vorschläge zu ihrer Unterstützung auszuarbeiten.

 

Nachwachsende Rohstoffe

Als Einkommenssicherung für die Landwirtschaft werden der Anbau und die Verarbeitung von nachwachsenden Rohstoffen sowie die Vermarktung der entsprechenden Energie bzw. Produkte diskutiert. Hier bewegt sich vieles auf lokaler Ebene und kann durch eine lokale/regionale (Land)wirtschaftsförderung unterstützt werden. Im Rahmen der AEP soll überlegt werden, ob ein Modellprojekt machbar wäre, in dem die lokale Landwirtschaft bei geplanten Siedlungserweiterungen Energie bereitstellt.