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Pressemitteilung, Projetbüro Gleichen, 23. April 2020

 

GAP-Reform 2020: 
Die Wettbewerbsfähigkeit kraftfutterreduzierter Milcherzeugung stärken, um die Artenvielfalt im Grünland zu steigern!

Kasseler Institut für ländliche Entwicklung e.V. veröffentlicht Policy-Paper 

Dauergrünland hat eine herausragende Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Rund ein Drittel aller heimischen Farn- und Blütenpflanzen und rund 40 Prozent der in Deutschland als gefährdet eingestuften Farn- und Blütenpflanzen haben ihr Hauptvorkommen im Grünland. Grünlandlebensräume sind jedoch stark bedroht. Milcherzeuger- und Milcherzeugerinnen wiederum, die zu den Hauptnutzern des Grünlandes gehören, brauchen dringend wirtschaftlich tragfähige Perspektiven, damit sie zum Erhalt von artenreichem Grünland beitragen können. Unter Berücksichtigung beider Gesichtspunkte startete das Kasseler Institut für ländliche Entwicklung e.V. im Jahr 2017 gemeinsam mit der Universität Göttingen ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. Es wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, die Vielfalt von Pflanzenarten im Grünland und darüber die gesamte Biodiversität zu fördern und gleichzeitig Milchviehbetrieben eine existenzsichernde wirtschaftliche Perspektive zu bieten. Dabei steht die kraftfutterreduzierte Milcherzeugung im Zentrum der Untersuchung. 

Die ersten Untersuchungsergebnisse bestärken die Hypothese, dass die Produktion von Milch mit weniger Kraftfutter die Artenvielfalt auf Grünlandflächen signifikant erhöht und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit von Milchviehbetrieben verbessern kann. Damit die positiven Effekte einer kraftfutterreduzierten Milchviehhaltung auf Dauergrünland breitenwirksam werden, fordern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gezielte politische Anreize für die Umstellung auf kraftfutterreduzierte Produktionssysteme zu setzen. Die Neugestaltung der 1. Säule der Gemeinsamen europäischen Agrarpolitik (GAP) bietet hierfür gute Anknüpfungspunkte. 

Der Umwelt- und Klimanutzen der kraftfutterreduzierten Milchviehhaltung reicht zudem weit über die Erhöhung der Artenvielfalt hinaus. Damit werden gleich mehrere Ziele sowohl einer natur- und umweltverträglicheren GAP als auch der Farm to Fork-Strategie des europäischen Green New Deal erreicht. Zudem kann die Umorientierung zu einer vor allem auf Grundfutter und Weide basierenden Milchviehfütterung die Milchviehbetriebe erfolgreich dabei unterstützen, sich an die steigenden Anforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes  sowie die zunehmenden Verbraucheransprüche an Produktionsweise, Lebensmittel- und Ernährungsqualität von Milchprodukten anzupassen. 

In ihrem Policy Paper schlagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vier agrarpolitische Hauptstrategien vor: 

  • In der 1. Säule der GAP wird eine grundlegende Förderung für kraftfutterreduzierte Milchproduktionssysteme im Rahmen der neuen Öko-Regelungen programmiert. 
  • Parallel dazu werden zur Erhöhung des Umwelt-und Klimanutzens und der Wettbewerbsfähigkeit dieses Systems ergänzende Fördermaßnahmen über die Agrarumwelt- und die Investitionsmaßnahmen der 2. Säule der GAP angeboten. 
  • Zusätzlich werden bürokratische Entlastungsmaßnahmen für programmteilnehmende Milchviehbetriebe entwickelt und
  • ein systematischer Wissenstransfer organisiert.

 

Das gemeinsame Policy-Paper vom Kasseler Institut ländliche Entwicklung e.V. und der Universität Göttingen finden Sie hier: Leitet Herunterladen der Datei eindownload policy paper

Pressekontakt

Dr. Karin Jürgens

Kasseler Institut für ländliche Entwicklung e.V.
 Projektbüro Gleichen
 Mail: 
kj@agrarsoziologie.de 
 Fon: 05592 927567
 www.kasseler-institut.org

 


seit November 2017

Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2020: Perspektiven und Empfehlungen für eine Verbesserung der Grünlandbiodiversität über kraftfutterreduzierte Produktionsstrategien in der Milchviehhaltung 

 

Ansprechparter: Dr. Karin Jürgens, email: kj@agrarsoziologie.de

Projektpartner: Universität Göttingen

 

Laufzeit: 11/2017 bis 10/2020

 

Die Zielsetzung dieses Projektes ist es, Strategien und Instrumente in der Milchviehhaltung zu identifizieren, bei denen die biologische Vielfalt im Grünland erhalten und gefördert wird und zugleich eine wirtschaftlich rentable Milcherzeugung gesichert ist. Ausgangspunkt der Untersuchungen sind dabei kraftfutterreduzierte Produktionssysteme und die forschungsleitende Hypothese, dass diese eine Chance zur Verbesserung der Grünlandbiodiversität bieten können, ohne dass die wirtschaftliche Lebensfähigkeit der Milchviehbetriebe beeinträchtig wird bzw. dass solche Produktionssysteme eine dauerhaft tragfähige ökonomische Entwicklungsoption darstellen. Bei Milchviehbetrieben mit einer kraftfutterreduzierten Milchviehhaltung hat die Nutzung von Grünland und Grundfutter einen besonders großen  Stellenwert. Bausteine des Projektes sind wissenschaftlich fundierte Analysen zur kraftfutterreduzierten Wirtschaftsweise und ihrer Wirtschaftlichkeit in Verbindung mit einer detaillierten Erfassung der dahinterstehenden Produktionsstrategien und der Biodiversität der bewirtschafteten Grünlandflächen. Auf dieser Basis sollen politikrelevante Handlungsempfehlungen sowie mögliche Förderstrategien auch für die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2020 abgeleitet werden.

Das Vorhaben wird vom Kasseler Institut für ländliche Entwicklung e.V. (Dr. Karin Jürgens, Prof. Dr. Onno Poppinga, Dr. Frieder Thomas, Lukas Kiefer, Thomas von Elsen) in Kooperation mit Prof. Dr. Johannes Isselstein von der Arbeitsgruppe Graslandwissenschaften der Universität Göttingen bearbeitet.

 

Kontakt: 

Dr. Karin Jürgens 
Projektbüro Gleichen
Heiligenstädter Straße 2
37130 Gleichen
Telefon: 05592 927567
E-Mail: kj@agrarsoziologie.de

 

 

Das Vorhaben wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, NaturschutzBau und Reaktorsicherheit gefördert.

 

 


Arbeitsergebnisse Heft 12: Von der bäuerlichen Landwirtschaft zur regionalen Versorgungswirtschaft

Von der bäuerlichen Landwirtschaft zur regionalen Versorgungswirtschaft

Funktionale Eigenschaften bäuerlicher Ökonomien als Schlüsselfaktoren für die Gestaltung einer regionalen Versorgung mit Lebensmitteln

von Christian Hiß, Andrea Heistinger und Frieder Thomas

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Es gibt in Deutschland und Österreich unterschiedlichste Initiativen, die der Land- und Ernährungswirtschaft wieder eine nicht-industrielle Prägung geben wollen. „Bäuerliche Landwirtschaft“ ist dabei oft ein Überbegriff. Eine differenzierte Beschreibung ist jedoch nötig, um diesen Begriff deutlicher von fiktionalen und oft traditionsbehafteten Bildern sowie von den Vereinnahmungen durch irreführende Werbung abgrenzen zu können.

Wir haben uns daher mit bäuerlichen Ökonomien in Deutschland und Österreich und ihren sozio-ökono­mi­schen Eigenschaften befasst. Dabei ging es uns um ein besseres Verständnis der inneren Organisations- und Entwicklungsprinzipien bäuerlicher Landwirtschaft – und eben nicht um äußerliche Bilder. Wir unterscheiden zwischen dem inneren Bauplan (dem „Genotyp“ ) und den äußeren Ausprägungen (dem „Phänotyp“) eines Hofes; ähnlich wie es die Pflanzenzüchtung bei der Anschauung von Pflanzen tut. Mit dieser Vorgehensweise kommt man, so unsere These, besser an die „funktionalen Eigenschaften“ bäuerlicher Betriebstypen und Wirtschaftsweisen heran und kann besser benennen, was „Bäuerliche Landwirtschaft“ in ihrem Wesen ausmacht.

Wir beschreiben in einem nächsten Schritt, welche Eigenschaften sich verändert haben und wo die heutige Landwirtschaft nicht mehr bäuerlichen Prinzipien entspricht – auch wenn viele noch von Bäuerinnen und Bauern sprechen. Wir zeigen, dass bäuerliche Eigenschaften neu interpretiert und gestaltet werden können. Wir skizzieren einige bereits existierende Ansätze, die sich als praktische Alternativen zur industriellen Landwirtschaft verstehen. Wir schlagen eine Checkliste vor, mit der man überprüfen kann, in wie weit aktuelle Initiativen der Land- und Regionalwirtschaft funktionale Eigenschaften bäuerlichen Wirtschaftens bereits übernommen und in neuer Form zur Ausprägung gebracht haben.

Wir sind uns bewusst, dass wir mit unseren Gedanken nur einen Anstoß geben können. Wir würden uns freuen, wenn sie in der weiteren Diskussion und von wissenschaftlichen Arbeiten aufgegriffen werden und hoffen, dass die vorläufigen Erkenntnisse als Impulsgeber für den Aufbau neuer regionaler Versorgungsstrukturen dienen.

Christian Hiß, Andrea Heistinger und Frieder Thomas 

 

 


Tassilo Tröscher-Preise 2017 vergeben - Kasseler Institut für ländliche Entwicklung beteiligt

Im Rahmen der Herbsttagung der Agrarsozialen Gesellschaft e.V. (ASG) in Göttingen wurden am 8. November 2017 fünf Preisträger des diesjährigen Tassilo Tröscher-Wettbewerbs ausgezeichnet.

 

Einen Sonderpreis erhielt die Internationale Forschungsgesellschaft für Umweltschutz und Umwelteinflüsse e.V. für das Projekt
„Wirtschaftlichkeit einer Milchviehfütterung ohne oder mit wenig Kraftfutter“ 

 

Das Projekt war von Karin Jürgens (Büro für Agrarsoziologie und Landwirtschaft) und Onno Poppinga (Kasseler Institut für ländliche Entwicklung) wissenschaftlich bearbeitet worden.

 

Aus der Begründung der Jury: 

Mit der umfassenden Untersuchung der „Wirtschaftlichkeit einer Milchviehfütterung ohne oder mit wenig Kraftfutter“ wurden erstmals belastbare, wissenschaftliche Daten zu einem bisher kaum beachteten Produktionssystem in der Milchviehhaltung gewonnen sowie Erkenntnisse über die Motive und Erfahrungen der kraftfutterarm wirtschaftenden Bauern und Bäuerinnen.

Mit der Untersuchung wird ein Weg aufgezeigt, wie ohne bzw. mit wenig Kraftfutter eine ansehnliche Milchleistung bei guter Tiergesundheit erzielt werden kann. Da dies vor allem durch ein besonderes Augenmerk auf die Bewirtschaftung von Grünland – eines Teils unserer Kulturlandschaft – erreicht wird, erfährt damit auch der ländliche Raum einen wertvollen Dienst.

Pressemitteilung ASG

Foto 1 / Foto 2

 

Die Ergebnisse des Projekts sind als Arbeitsergebnisse Heft 8 veröffentlicht worden. 


Arbeitsergebnisse 08-2016

Wirtschaftlichkeit einer Milchviehfütterung ohne bzw. mit wenig Kraftfutter

Karin Jürgens, Onno Poppinga und Urs Sperling


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